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Helmut Nikolaus Kuppinger

Soldat unter schützender Hand

Wenn die Alten erzählen, hören die Jungen zu. Das war früher einmal so. Heute hingegen schauen wir lieber nach vorne und selten zurück. Was interessieren uns die ollen (Kriegs-)Kamellen? Wir bilden uns lieber unsere eigene Meinung und ignorieren die Geschichten der Alten. Ein fataler Trugschluss, denn Lebenserfahrung lässt sich nunmal nicht im Hauruck-Verfahren erwerben, Geschichte - noch dazu die eigene - nicht anhand von aufgelisteten Daten im Geschichtsbuch begreifen. Auch das individuelle Erleben muss weitergegeben, in den nachfolgenden Generationen lebendig gehalten werden. Helmut Nikolaus Kuppinger hat dazu mit seinem Roman „Soldat unter schützender Hand" einen wertvollen Beitrag geleistet.
Der Autor, der bereits in Anthologien und Zeitschriften publizierte und den Kurzgeschichten- und Gedichteband „Die Biene Julia" (2003) veröffentlichte, hat in diesem Buch seine Zeit als Soldat im Zweiten Weltkrieg beschrieben. Im Alter von 17 Jahren wurde er einberufen, musste an der Ostfront und an der italienischen Front kämpfen. Nur durch einen glücklichen Zufall konnte er aus russischer Kriegsgefangenschaft wieder in die Heimat zurückkehren.

Die Härten und Grausamkeiten des Krieges bekam er somit am eigenen Leibe zu spüren: Angstvoll in Schützengräben verbrachte Nächte, das krachende Geräusch einschlagender Granaten, der Verlust von Kameraden, die Schreie der Verwundeten, das alles hat sich dem jungen Neulußheimer damals tief ins Bewusstsein eingegraben. Jetzt als fast 80-Jähriger möchte er, der 2003 in einem Fernstudium an der Goethe - Akademie in Frankfurt das Schriftstellerdiplom erwarb, von seinen Kriegserlebnissen erzählen.

Er tut dies in einer einfachen, schnörkellosen Sprache. Auch wenn an manchen Stellen Wiederholungen auffallen, die man vielleicht durch eine Raffung der Handlung hätte vermeiden können, so sagt eben auch das etwas über die Realität an der kriegerischen Front aus. Es mussten Tage, Wochen, Monate einer grausamen Monotonie gewesen sein. Als Leser nehmen wir daran so unmittelbar wie selten teil: Dieser Heranwachsende, fast noch ein Kind, sah - wie viele tausende seiner Kameraden auch - dem Tod täglich aufs Neue ins Gesicht. Wie überlebte man das? Das Gebet zu Gott war oft der einzige Halt. Essen, Schlaf oder warme Kleidung wurden zum höchsten Gut. Was der Autor erzählt, glaubt man ihm aufs Wort.

Schließlich handelt es sich um seine Erinnerungen, seine Geschichte und nicht um Fiktion. Das allein macht das Buch lesenswert. Manche kennen sicher das leise Unbehagen, das sich sogar bei Werken der Weltliteratur einschleicht, wenn die Perspektive der Autoren weit weg vom beschriebenen Geschehen im Exil lag. Das soll nicht heißen, dass es für die meisten von ihnen damals einen anderen Weg gegeben hätte, vielmehr gilt es hier eine Arbeit zu würdigen, bei der solche Gefühle zugunsten von Authentizität und Unmittelbarkeit gänzlich ausbleiben.

Man sollte Helmut Nikolaus Kuppinger also zuhören, was er von der Realität im Zweiten Weltkrieg, von Grausamkeit und Gewalt, aber auch einer glücklichen Heimkehr zu berichten hat. Es lohnt sich, auch für junge Menschen.

Elke Seiler

Das Buch ist im Buchhandel oder über den Verlag erhältlich

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